Im vergangenen Winter sind in Deutschland nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) mindestens 14 wohnungslose Menschen erfroren – die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen. Gefährlich wird es nicht erst bei Frost: Eine Unterkühlung kann schon bei 5 bis 10 Grad einsetzen, besonders bei Nässe oder wenn jemand krank ist. Rund 56.000 Menschen lebten 2024 ganz ohne Unterkunft auf der Straße.
Jede und jeder kann etwas tun. Oft reicht schon, nicht wegzusehen.
Wenn Sie jemanden draußen sehen
- Ansprechen statt vorbeigehen: Fragen Sie freundlich, ob alles in Ordnung ist und ob die Person etwas braucht.
- Bei Gefahr sofort 112 wählen: wenn jemand nicht ansprechbar ist, nicht reagiert, stark zittert, verwirrt wirkt oder bei Kälte auf dem Boden liegt. Bleiben Sie, bis der Rettungsdienst da ist.
- Hilfe vermitteln: Viele Städte haben im Winter einen Kältebus oder ein Kältetelefon. Notunterkünfte und Tagesaufenthalte in der Nähe finden Sie über unsere Suche.
- Würde wahren: Niemand muss Hilfe annehmen. Und bitte fotografieren oder filmen Sie Menschen nicht ungefragt – auch wer auf der Straße lebt, hat ein Recht auf Privatsphäre.
Was wirklich hilft
- Etwas Warmes: ein heißes Getränk oder eine Mahlzeit – direkt angeboten, ohne Bedingungen.
- Gezielt spenden: Im Winter werden besonders Schlafsäcke, Isomatten, warme Socken, Unterwäsche, Mützen und Handschuhe gebraucht. Fragen Sie vorher bei einer Einrichtung in Ihrer Nähe, was gerade fehlt – so landen Spenden dort, wo sie gebraucht werden.
- Geld an Vereine vor Ort: Damit können Helferinnen und Helfer flexibel kaufen, was akut fehlt.
- Selbst mitmachen: Viele Tagesstätten, Kältebusse und Vereine suchen gerade jetzt Ehrenamtliche.
Wenn Sie selbst betroffen sind
Sie haben heute Nacht keinen Schlafplatz? Die Stadt ist verpflichtet, Menschen unterzubringen, die unfreiwillig obdachlos sind. Wenden Sie sich tagsüber an das Ordnungs- oder Sozialamt, abends und am Wochenende an die Polizei unter 110. Notunterkünfte in Ihrer Nähe finden →
Droht Ihnen der Verlust der Wohnung, zum Beispiel wegen Miet- oder Energieschulden, holen Sie sich so früh wie möglich Hilfe. Mehr dazu in unserem Beitrag „Miet- oder Heizkostenschulden? Warum frühe Hilfe die Wohnung retten kann“.
In akuter Gefahr: Notruf 112 · Telefonseelsorge rund um die Uhr, kostenlos: 0800 111 0 111